Plattentipps
Jeden Monat neu – die persönlichen Highlights von Markus, Tom und Holger.MESHELL NDEGEOCELLO - Synonym
Anfang Oktober brachte die wunderbare Bassistin, Komponistin, Sängerin und Arrangeurin Meshell Ndegeocello mit „Synonym“ ein herrliches Album bei Blue Note heraus, das es für mich ebenfalls in die Auswahl der besten Alben des Jahres 2026 bringen wird (übrigens ist dieser Herbst reich an großartigen Alben…). Meshell hat „Synonym“ komplett mit Coverversionen, arrangiert als Duette, eingespielt. Dies alles mit wunderbaren PartnerInnen u.a. mit Brandi Carlile, Cat Power, ANOHNI oder Bill Callahan. Heraus gekommen ist ein fein produziertes Album, das sich spielerisch lässig zwischen Jazz, Nu-Soul und Pop bewegt. Jedes Stück auf diesem Album ist ein Juwel und hat neben seinem Originalcharakter, die einzigartige Handschrift Meshells. Obwohl es nicht gerecht ist, nur drei oder vier Anspieltipps hervorzuheben, da alle Songs großartig sind sollte man beim Kennenlernen des Albums unbedingt anspielen: Don’t you want me (mit Cat Power), Guilty (mit Ink), It Ain’t me Babe (mit Madison Cunningham) oder Don’t look any further (mit Lianne La Havas). Synonym ist ein brillant-cooles Album, das einfach nur glücklich macht.
MICHAEL WOLLNY – Eine Winterreise
Michael Wollny lässt sich bei seinem neuen Soloalbum „Eine Winterreise“ von den Themen von Schuberts Winterreise, aber auch von Kate Bush, Björk und Louis Cole, inspirieren. Er erschafft daraus eine wundervolle Sammlung von Stücken zeitgenössischer Klaviermusik. Wollny verquickt Inspirationen, eigene neu komponierte Passagen und freie Improvisationen zu einem Werk voller Schönheit, Irritation und Empathie. Jedes Anhören dieses Albums eröffnet neue Horizonte und neue Eindrücke- ganz fabelhaft!
FONTAINES D.C. - Dopamine Chamber
Dopamine Chamber ist das inzwischen fünfte Album der aus Irland stammenden Band Fontaines D.C. und eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben, weil man weder der Band noch dem Album heute noch den Status „Geheimtippstatus“ zuweisen kann. Mit jedem Album wurden sie bekannter, erfolgreicher und man hat das Gefühl jeder hat schon alles über Band uns Album gesagt. Aber als ich das Album zum ersten Mal in voller Länge gehört habe, war innerhalb der ersten Takte klar, dass kein Weg daran vorbei führt, auch Dopamine Chamber im Newsletter zu empfehlen.Ein nahezu bedrohlicher klingender Loop, der fast ein wenig an das Geräusch, das ein MRT Gerät macht, erinnert, unterlegt eine Akkordfolge und baut so in kürzester Zeit einen dunklen Sog auf, der den Zuhörer direkt in die „Dopamine Chamber“ lockt. Wenn Sänger Grian Chatten dann mit seinem markanten Bariton einsetzt, der majestätisch über dem klanglichen Schauplatz thront, ist es, als würde man an die Hand genommen und tiefer und tiefer hineingezogen werden. Glitzernde Sounds konterkarieren tiefe Bässe, eigenartige Sounds werden in den Rhythmus eingepflegt und trotz allem klingt der Opener, so wie das gesamte Album, dermaßen eingängig, dass man Sorge hat, die Halbwertszeit könne enttäuschend kurz sein. Aber keine Angst – auch wenn es unmöglich klingt – das Gegenteil ist der Fall. Mit jedem Song, jedem Durchgang wird dieses Album besser. Denn von dort an steigt das Album von dunklen Vorab-Single „Marian“ über das fast poppig eingängige „Mimesis“ und dem paranoid anmutenden, kompletten Banger „Tongue“ auf das absolute Diadem der Platte „Where is gone“ zu, der Zusammenarbeit mit der von mir ebenfalls hoch geschätzten Rosalía. Dieser Song ist die wahrscheinlich die beste Ballade, die sowohl die Fontaines als auch Rosalia bisher auf Platte veröffentlicht haben. Der wunderbare Kontrast zwischen dem grummeligen Gesang von Grian Chatten und der feinen, zerbrechlich wirkenden Stimme von Ausnahmesängerin Rosalía erinnern an Großtaten von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood oder dem wuderschönen Duett von Nick Cave und Kylie Minogue. Ich schmelze und bin dem Album hoffnungslos ergeben.
10 von 10 Punkten – all Killer, no Filler – und jetzt schon mit Sicherheit eines meiner absoluten Lieblingsalben des Jahres.
