Leoniden - Complex Happenings Reduced To A Simple Design

30. September 2021 Schon gehört?   energie, powerpop, junge hunde
Vorsicht – nicht täuschen lassen. Was beim ersten Stück den Eindruck erweckt, dass die Leoniden jetzt ihre erste, echte Ballade aufgenommen haben, ist ein Trick, dem man nur allzu gern auf den Leim geht. Denn dieser knapp am Kitsch vorbeischrammende Opener bricht bereits nach der gefühlten Hälfte ab und wer bis dahin nicht angeschnallt ist, sollte sich darauf einstellen, dass die Band sofort danach das Gaspedal durchtritt und ohrenkundlich keinen Bedarf sieht, diesen Zustand für den weiteren Verlauf des Albums auch nur annähernd zu ändern.
Wer die Leoniden jemals auf der Bühne gesehen hat, wird bestätigen, dass sie sich dort aufführen wie ein Rudel junger Hunde, die von der Leine gelassen wurden. Und kaum eine andere Band hierzulande versteht es so gut, diesen Zustand in ihrer Musik umzusetzen. Euphorie, Lebensfreude und Überschwänglichkeit triefen aus jedem Song. In einem durchschnittlichen Leoniden Refrain liegt mehr Energie als es manch andere Band in ihrer ganzen Laufbahn bewerkstelligen kann.
Das liegt nicht nur an der Musik, die knackig und funky tanzen lässt und kurz darauf rockt als würde ihr Leben davon abhängen – das hat auch sehr viel mit der Stimme von Sänger Jakob Amr zu tun, die sich in schwindelerregendes Falsett hochschrauben kann um in der nächsten Sekunde in breitbeinigen 1-2-3-4 Rock zu stürzen. Und dann sind da natürlich noch die Melodien – mein lieber Schieber – diese hartnäckig und gut gelaunt im Ohr klebenbleibenden Melodien.