Plattentipps
Jeden Monat neu – die persönlichen Highlights von Markus, Tom und Holger. Markus empfiehlt
BRANFORD MARSALIS QUARTET & DIANNE REEVES – Dedicated to You
Neben dem 100. von Miles Davis, feiert auch John Coltrane, ein anderer Gigant des Jazz, dieses Jahr diesen runden Geburtstag. Für mich ist Coltrane der größte Saxophonist, den es im Jazz je gab und deshalb schau ich mir Interpretationen seiner Stücke auch sehr genau an. Aber, wenn zwei lebende Großmeister des Jazz ein Album zu Ehren Coltranes aufnehmen, kann man davon ausgehen, dass das Ergebnis herausragend ist. Branford Marsalis und sein Quartett haben dies zusammen mit der göttlichen Dianne Reeves mit „Dedicated to You“ sehr eindrucksvoll hinbekommen. Das Album ist eine Hommage an John Coltranes legendäre Einspielung des gleichnamigen Albums zusammen mit dem Crooner Johnny Hartman aus dem Jahre 1963. Aber, was für eine wunderbare künstlerische Entscheidung Branford Marsalis getroffen hat diese Hommage mit einer Sängerin einzuspielen. Die Stück sind Dianne Reeves wie auf den Leib geschnitten. Ihre wundervolle Alt-Stimme gibt den 6 Coltrane/Hartman Stücken eine Wärme und Tiefe, in die man sich hineinkuscheln möchte. Die Stücke sind keine simple Kopie des Coltrane/Hartman Albums, sondern viel mehr eine tiefe Verneigung mit Raum für sehr schöne eigene Interpretationen. Ergänzt wird das Album mit drei reinen Instrumentalstücken des Marsalis Quartetts, das für sich ja schon in anderen Sphären spielt. Für mich ist dies das bisherige Jazzalbum des Jahres 2026.
Holger empfiehlt
BLOC PARTY – Anatomy Of A Brief Romance
Es gibt Bands, die man vom Anbeginn ihrer Karriere verfolgt. Zu diesen Bands gehört für den Verfasser dieser Zeilen die Band Bloc Party. Nach ihrem sensationellen Debut „Silent Alarm“ von 2005 sind nun 21 Jahre vergangen und es ist das siebente Album der Band erschienen, welches den Namen „Anatomy Of A Brief Romance“ trägt. Die ersten zwei Alben der Band waren großartig, es folgten dann noch zwei sehr gute Alben und dann hatte die Band mich mit den Alben fünf und sechs ein bisschen verloren. Nun ist die Band um Kele Okereke bei ihrem siebten Album wieder zu alter Stärke zurückgekeht. Kele Okereke verarbeitet auf diesem Album eine einjährige Beziehung und macht das mit emotional absolut überzeugenden Songs. Da das Album auch noch großartig klingt - an den Reglern saß der alte Haudegen Trevor Horn - ist es noch ein größeres Vergnügen dieses Werk zu hören.
Tom empfiehlt
aron! - Too Close For Running
aron! schreibt sich klein, aber mit Ausrufezeichen. Vielleicht weil die Musik auf seinem Debütalbum „Too Close For Running“ die Art von Understatement bietet, die einen hellhörig macht. Denn was sich da modern und entspannt groovend in den Gehörgang schmeichelt, ist um einiges ausgefuchster als es den Anschein macht. Die Harmonien und der croonende Gesang von aron! erinnern fast an die ganz großen Songwriter der alten Schule wie Burt Bacharach, Brian Wilson oder durchaus sogar Cole Porter. Denn auch die haben es verstanden komplexe Harmonien durch großartige Melodien leicht und luftig klingen zu lassen. Er bietet dabei aber keinesfalls flachen „Retro-Jazz-Pop“. aron! macht offenbar sein ganz eigenes Ding. Aber es ist die gleichzeitig unaufgeregte und euphorische Interpretation dieser Kompositionen, die groovende Umsetzung und die moderne Sichtweise auf die "traditionelle" Art des Songwriting, die sowohl eine Einordnung in ein Genre als auch die Abgrenzung eines Zielpublikums schier unmöglich macht. Das eigentlich Schwierige daran: Solche harmonisch und kompositorisch komplexen Songs so selbstverständlich und federleicht klingen zu lassen, dass man ihre Raffinesse erst wirklich bemerkt, wenn man genauer hinhört. Und spätestens wenn dann zwischen all dem augenzwinkernden Crooner-Flair plötzlich ein im Vergleich deutlich zeitgenössischer Singer/Songwriter-Moment aufblitzt, merkt man endgültig, dass aron! nicht versucht, eine vergangene Ära nachzuspielen, sondern sie ziemlich lässig in die Gegenwart holt. Davon war offenbar auch Traditionslabel Verve beeindruckt, bei denen das cozy-smarte „Too Close For Running“ jetzt erschienen ist.
